Das bin ich

Hallo ihr Lieben, ich bin Jessi, ich bin 26 Jahre und arbeite seit 7 Jahren als Hotelfachangestellte. Vor kurzem bin ich endlich bei meinen Eltern ausgezogen. Da war es ja nicht mehr auszuhalten. Die haben sich nur noch gefetzt. Ich bin heilfroh, dass ich mir endlich eine eigene Wohnung leisten kann. Das geht schon viele Jahre so. Immer waren sie der Meinung, sich meinetwegen zusammenraufen zu müssen, aber die Streitereien haben mir auch nicht besonders gut getan. Immer wenn sie angefangen haben sich wegen irgendwelchen banalen Kleinigkeiten aufzuregen, hab ich mich in mein Zimmer verdrückt und gelesen. Am liebsten Horrorgeschichten. Ich habe einen ganzen Schrank voll Bücher mit Horrorgeschichten von Bram Stoker über Edgar Allan Poe bis zu Steven King und Michael Crichton. In Kleinanzeigen kostenlos inserieren ergatterte ich mir einige davon. Mittlerweile denke ich mir auch schon eigene kleine Horrorgeschichten aus und schreibe sie auf. Irgendwann werde ich sie an einen Verlag schicken und hoffen. dass ich veröffentlicht werde. Nur so als Nebenverdienst. Meine Arbeit im Hotel macht mir ja Spass. Ich hab ständig mit anderen Leuten zu tun. Viele Touristen, auch aus anderen Ländern, kommen her und übernachten hier. Ich finde voll interessant, was die für Geschichten aus ihrer Heimat erzählen. Aber aus Tagungsgruppen mit vielen Schlips- und Anzugträgern checken in unserem Hotel ein. Ich find voll faszinierend zu sehen wie die Leute aus unterschiedlichen Schichten miteinander umgehen. Neulich hatten wir sogar Gäste aus Brasilien. Ein junges Paar. Die waren so alt wie ich. Am Abend haben sie an unserer Bar gesessen und ich habe mich dazu gesellt und mich mit ihnen unterhalten. Ich habe ihnen erzählt, was man bei uns so alles erleben kann und was sie sich unbedingt anschauen sollten. Sie haben mir Geschichten aus ihrer Heimat erzählt. Sie kommen aus Sao Paulo und dort herrscht das reinste Chaos. Auf den Straßen fährt jeder wie er will, die Busse fahren nicht nach Fahrplan und wenn man Pech hat wartet man Stundenlang auf sie. In gewissen Stadtteilen sind Korruption und Bandenkriege an der Tagesordnung. Zum Glück wohnen sie nicht in so einem Stadtteil, meinten sie. Ich hab gefragt, ob sie keine Angst haben, aber sie meinten, wenn man weiss, wo man sich aufhalten kann, hat man auch nix zu befürchten. Das ist für mich echter Horror, jeden Tag Angst zu haben, überfallen zu werden oder in eine Schießerei verwickelt zu werden. Ich bin da heilfroh, dass ich in Deutschland wohne.

3.5.11 19:12

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